Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Dieser und eine Reihe anderer Gründe tragen dazu bei, dass Antisemitismus ein gesellschaftliches Phänomen ist bei dem die Erscheinungsformen variieren: Mal werden die Opfer unvermittelt und direkt angegriffen, mal fließen antisemitische Äußerungen subtil in ein Gespräch ein. Im zweiten Fall ist es für Betroffene nicht immer einfach, die verletzenden Botschaften unmittelbar zu erkennen und angemessen zu reagieren. Dabei ist gerade dieser sekundäre Antisemitismus ist im gesamtgesellschaftlichen Kontext weitverbreitet.

Beim Seminar „Gegen Anti – vom Umgang mit Vorurteilen und Feindbildern“ waren die Bildungsreferentinnen Dr. Burglinde Hagert und Johanna Voß vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment aus Berlin am 30.11.2021 zu Gast beim Alsterbildungsring e. V. Neun in Integrationskursen tätige DaZ-Lehrern erwartete ein praxisorientiertes, kurzweiliges Seminar, moderiert von Dr. Johannes B. Sander, Diplompädagoge, Historiker und Kursleiter für Deutsch als Fremdsprache beim Alsterbildungsring e. V.

Geschult wurden die TeilnehmerInnen unter anderem darin, versteckte antisemitische Botschaften wahrzunehmen, die von ihnen ausgehende Wirkung auf die Betroffenen zu deuten und schließlich richtig zu handeln. In einer kollegialen Fallbesprechung konnten die Lehrkräfte unmittelbar ihre erlernten Kenntnisse anwenden. Das Seminar schloss mit einer Evaluation, in der die TeilnehmerInnen zu ihrer Einschätzung von angebotenen Inhalten und ihrer erarbeiteten Ergebnisse befragt wurden. In einer folgenden dreimonatigen Praxisphase können die DaZ-Lehrkräfte ggf. in den Integrationskursen anwenden. Anschließend werden Sie zu ihren Erfahrungen in einer zweiten Evaluation befragt.

Eine Sprache lernt man nur, wenn man sie spricht. Deshalb eröffnet der Alsterbildungsring e. V. im Februar 2022 die Motley zone, Hamburgs erstes SprachKultur- & Bildungszentrum. Unter dem Motto „Sprechzeit“ finden in Altona auf einer Fläche von 450 m2 kreative Projekte für Jung und Alt statt, die immer, direkt oder indirekt, etwas mit Sprache zu tun haben.

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Am Ende des ersten Durchgangs unseres Integrationsprojekts „Mittenmang von Anfang an“, haben wir mit Havva Karaca, einer Teilnehmenden im Bildungsbereich, gesprochen. Frau Karaca lebt seit vier Jahren in Deutschland und war bei unserem Partnerverein „Herzliches Lokstedt e. V.“ als Nachhilfe-Lehrerin ehrenamtlich tätig. Dort kümmerte sie sich von Juli bis November 2021 um Grundschüler mit Förderbedarf. Ihre geschilderten Erfahrungen haben wir aufgeschrieben.

Havva Karaca, Teilnehmende am Integrationsprojekt „Mittenmang von Anfang an“.

Alsterbildungsring e. V. (ABR): „Frau Karaca, in der Türkei haben Sie an der Oberschule unterrichtet. Hier haben Sie ehrenamtlich Grundschülern Nachhilfe-Unterricht gegeben. Kamen Sie regelmäßig zum Einsatz?“

Karaca: „Ja, bis auf eine kleine Pause von drei Wochen, die ich als Vorbereitung auf meine B2-Prüfung genutzt habe, war ich jede Woche bei der Schüler-Nachhilfe. Zusätzlich habe ich regelmäßig an den Gesprächsrunden für Deutsch-Lernende teilgenommen, die der Verein Herzliches Lokstedt zusätzlich kostenlos anbietet.“

ABR: „Was hat Ihnen besonders viel Spaß gemacht?“

Karaca: Die Zusammenarbeit mit den Kindern und mit Anne (Thaker, Vereinsvorstand von ‚Herzliches Lokstedt‘, Anm. d. Red.) war toll. Ich wurde sehr respektvoll behandelt und habe mich immer wohl gefühlt.

ABR: „Was war nicht so schön?“

Karaca: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Angebot und kann nichts Negatives nennen.“

ABR: „Wie war das Verhältnis zu den anderen Kollegen aus dem Partnerverein?“

Karaca: „Es waren alle sehr freundlich zu mir. Dabei möchte ich auch nochmals den Coaches danken. die mich in meiner ersten Zeit unterstützt und mir alles gut erklärt haben.“

ABR: „Konnten Sie während des Projekts regelmäßig Deutsch sprechen?“

Karaca: „Ja, vor allem weil ich zwei Mal in der Woche bei ‚Herzliches Lokstedt‘ war. Der zweite Nachmittag mit den Gesprächsrunden hat mir viel gebracht. Ich bin überrascht und glücklich über die (Integrations- /Anm. d. Red.) Möglichkeiten in Deutschland. Für mich ist das Ehrenamt wirklich hilfreich und ich bin sehr dankbar dafür.“

ABR: „Glauben Sie, dass sich Ihre Deutschkenntnisse durch das Ehrenamt verbessert haben?“

Karaca: Das kann ich nicht so gut beurteilen. Aber ich bin sehr motiviert und ehrgeizig, mein Deutsch zu verbessern.

ABR: „Hatten Sie das Gefühl, dass sie mit Ihrer Tätigkeit anderen Menschen geholfen haben?“

Karaca: Ja, sicher. Es ist schön zu sehen, dass die Kinder gerne zur Nachhilfe kommen. Ich möchte weitermachen und begleite seit einigen Wochen eigenverantwortlich eine 8-jährige Syrerin. Sie ist noch sehr schüchtern und malt am liebsten. Aber wir haben jetzt mit Leseübungen begonnen und ich denke, sie wird sich mir bald anvertrauen.“

ABR: „Frau Karaca, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Zukunft!

Schauen Sie hier einige kurze Aussagen von H. Karaca im Video an!

Auszug aus dem Interview mit Havva Karaca.

Du bist neu in Deutschland und vieles ist dir fremd? Du versuchst, unsere Sprache, Menschen und unsere Kultur zu verstehen. Jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag ein bisschen besser. Wir wissen, wie schwierig das ist. Deshalb möchten wir dich unterstützen, mehr Deutsch zu sprechen und unsere Gesellschaft besser kennenzulernen. Mit deiner freiwilligen Tätigkeit kannst du anderen helfen. Werde jetzt aktiv im Ehrenamt – weil du wichtig bist und gebraucht wirst!

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Diesen unbestrittenen Grundsatz erfahren wie täglich bei unserer Arbeit. Aber wie viel ist eine Integration wert, wenn die zu intergierenden Menschen in dem langen Prozess des Spracherwerbs zunehmend ihren Selbstwert verlieren? Diese Frage stellten wir uns, bevor unsere jüngste Projektidee geboren wurde.

Bei der Betrachtung klassischer Integrationsprojekte im weitesten Sinne fiel uns schnell eine typische Diskrepanz zwischen Menschen, die Hilfs- und Integrationsleistungen anbieten auf und denen, die sie annehmen. Kurzfristig sind diese Art von Hilfsleistungen und Versuche, kulturelle Unterschiede zu überbrücken notwendig und angemessen. Doch langfristig – und damit meinen wir die Zeit, bis Migranten sprachlich soweit sind, ihre berufliche Karriere zu beginnen – könnte es geeignetere Weg geben. 

Einen möchte unser Projekt „Mittenmang von Anfang an“ einschlagen. Ihm liegt die Idee zugrunde, Migranten möglichst frühzeitig nach ihrer Ankunft in Deutschland durch ein ehrenamtliches Engagement in unsere Gesellschaft einzubeziehen. Unsere Integrationskurse bieten dabei den Ausgangspunkt, Freiwillige für ein Ehrenamt zu begeistern.

Kompetenz- interessengerecht möchten wir die möglichen TeilnehmerInnen an passende Vereine vermitteln. Mittels ihrer Talente und Fähigkeiten, können sie dort sinnvolle Aufgaben wahrnehmen und dadurch auch ihre Anerkennung stärken. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, ihre im Integrationskurs erworbenen Sprachkenntnisse zu festigen.

Sobald wir zehn bis 15 Freiwillige ausgewählt haben, werden wir sie bei ihren Erfahrungen multimedial auf dieser Seite begleiten. Schauen Sie also des Öfteren bei uns vorbei und verfolgen Sie, mit wie viel Leidenschaft und Herzblut sich Menschen mit Migrationshintergrund engagieren, und ihre Talente für unsere Gesellschaft einsetzen!

„Mittenmang von Anfang an“ ist eines von derzeit rund 280 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten BgZ-Projekte.

Wir freuen und, dass unser Ansatz auch beim Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat auf Interesse gestoßen ist und für drei Jahre im Projektbereich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Vor Ort. Vernetzt. Verbunden“ gefördert wird.

Kontakt
Möchten Sie sich bei uns ehrenamtlich engagieren oder eines unserer Projekte unterstützen? Treten Sie mit uns in Kontakt. Telefonisch, per E-Mail oder persönlich beim Alsterbildungsring e. V. Ihr freundlicher Bildungsanbieter direkt gegenüber dem Bahnhof Hamburg-Altona.